- Allgemein (5)
- Java (23)
- noch in Deutschland (28)
- Peru (45)
- Tansania (238)
- Uganda (13)
- wieder in Deutschland (40)
Allgemein
- Februar 2012
- Dezember 2011
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
David 30/10/09
Gottesdienst in Tansania
Hm, wie soll ich das beschreiben? Fest steht, dass er lang ist. Sehr lang. Extrem lang. Vor allem wenn man nichts versteht. Vor allem wenn man statt auf gepolsterten Sesseln auf Holzbänken ohne Rückenlehne sitzt. Vor allem, wenn man als guter Deutscher natürlich pünktlich da ist (haben wir bisher bei ein von zwei Malen geschafft) – denn das ist eigentlich nicht Usus. Fest steht auch, dass hier mehr Menschen in die Kirche gehen. Wir kennen ja nur die anglikanische Kirche und schon dort sitzen ca. 700 Leute im Gottesdienst. Und morgens um halb 7 ist noch einer. Und es gibt noch eine zweite Kirche der Anglikaner. Und Kasulu hat nur 40.000 Einwohner. Und es gibt noch andere christliche Kirchen.
Vor allem bei Frauen erfreut sich der Kirchgang sehr großer Beliebtheit. Im Normalfall (das können wir nach unseren vier Wochen hier schon ganz routiniert sagen) sitzen nämlich ungefähr doppelt so viele Weiblein wie Männlein in den Reihen. Getrennt übrigens, wenn es auch null problemo ist, auf der Seite des anderen Geschlechts zu sitzen. Und gesungen wird natürlich auch. Weniger mit allen Gottesdienstbesuchern, als viel mehr von den etwa drei bis vier Chören. Die häufig für jeden Sonntag neue Lieder dichten und sie vortragen. Wobei man sagen muss, dass sie sich für europäische Ohren eh alle relativ gleich anhören. Während dem Singen laufen nebenbei noch E-Gitarre und das unvermeidliche Keyboard. Und getanzt wird dabei auch, und zwar irgendwie anders als bei uns. Afrikanisch halt. So ein Lied kann auch schon mal zehn Minuten dauern, was einen bei der zum siebten Mal gesungen ersten Stophe auch schonmal dazu verleiten kann, sich im weiten Kirchenrund umzuschauen.
Und was es da zu sehen gibt. Einen Uhu, der mit stoischer Ruhe im Dachgebälk sitzt und sich das Treiben anschaut. Eine blinkende Lichterkette, die bei uns an den Tannenbaum gehängt würde. Die ganzen Babys auf dem Rücken. Während in Deutschland die kleinen Kinder nämlich im Normalfall erst mit ungefähr drei Jahren das erste Mal in den Gottesdienst mitkommen, sind die hiesigen im Normalfall quasi vom Tag ihrer Geburt an dabei. Und sie schreien nicht. Afrikanische Kinder schreien fast nicht. Warum auch immer, aber es ist so.
Doch wenden wir den Blick zurück zum Gottesdienstverlauf. Zwischen den Chorliedern kommen immer einzelne Schriftlesungen und Gebete usw bis dann irgendwann die Abkündigungen kommen.
Abkündigungen meint Ankündigungen. Und die zieeeeehen sich schonmal ganz gerne. Wer den Grund für oben genannte Länge der Gottesdienste gesucht hat, wird ihn hier vermutlich finden. Denn mit den Abkündigungen nehmen es die Tansanier ganz genau. Erst steht nun irgendeine Person da vorne und liest ihre Tagesordnungspunkte vor. Wer z.B. für den Sondergottesdienst (mit der Sondersammlung) am nächsten Samstag das Feuerholz herbeibringen soll. Wer es bewachen soll. Wer für das Essen sorgt, dass es danach geben soll. Und so weiter und so fort. Wenn dann die erste Person nach ca. dreizehn Tagesordnungspunkten fertig ist, atmet man innerlich auf. Und es folgt der nächste, der nun die Angelegenheiten und Termine der Jugend verkündigt. Dann kommt der Pastor. Und wiederholt das ganze nochmal.
Andrea, eine Missionarin von der Neukirchener Mission, war letzten Sonntag auf dem Dorf und erzählte hinterher, der Gottesdienst hätte nur zwei Stunden gedauert (echt gut für hiesige Verhältnisse). Aber auf dem Rückweg kam sie an einer anderen Kirche vorbei und dort saßen die Leute immer noch. Um kurz vor zwei. Und der Gottesdienst hatte um zehn angefangen.
Nunja, dass die Afrikaner ein anderes Zeitgefühl haben ist ja wohl hinlänglich bekannt.
Irgendwann kommt dann die Predigt. Dann steht da schon einmal ein Pastor vorne und erledigt seine Predigt brüllend. Von der ersten bis zur letzten Minute. Und man staunt, wie er den Lautstärkepegel im Verlauf seiner Rede immer noch weiter steigern kann.
Nun, man merkt schon, ein Gottesdienst in einer Anglikanischen Kirche in Tansania unterscheidet sich schon sehr von dem was man so aus Deutschland kennt und schätzt. Nichtsdestotrotz sind wir nun einmal hier und müssen uns mit den hiesigen Verhältnissen abfinden. Besonders doof ist natürlich, dass wir wie erwähnt nichts verstehen, das würde uns vieles einfacher machen. Trotzdem ist es doch schön, mit Christen zusammen zu sein, trotz aller Sprachbarrieren und Denominationshemmungen. Und das ist doch schon einmal etwas.
Hinweis: Auch wenn manches in diesem Eintrag übertrieben klingt: es ist alles wahr und von uns erlebt. 
Antwort schreiben
Sie müssen als angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.