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David 4/11/09
Wir und das Fahrrad! Kurzzeitler Selbst-Entwicklungspolitik
Ja, wir haben Fahrräder! Durch die ständige Latscherei zwischen unserem Haus und der Stadt, haben wir beschlossen uns jeder den Luxus eines Rades zu gönnen und gestern (3.11.) haben wir uns jeder eines besorgt. Schon der Kauf war erwartngsgemäß eine aufregende Angewohnheit. In Kasulu gibt es gleich eine ganze Straße, in der nur Fahrräder verkauft, gewartet und repariert werden. Dorthin begaben wir uns also mit einem Bekannten, dessen Mutter die Ehefrau eines Fahrradhändlers kennt. Ja, so läuft das hier in Tansania, alles über Beziehungen… Jedenfalls sollten wir Räder billiger bekommen, das heißt nicht zum Mzungu-Preis (→ Mzungu, der), was ja schon etwas war. Nachdem wir den Leuten klar gemacht hatten, dass wir kein neues Rad wollten, obwohl wir Weiße sind, ging es dann in einen Hinterhof, wo drei oder vier Stapel mit gebrauchten beisikeli (so heißen die hier
lagen. Auf unsere Bitten wurden dann einzelne herausgezogen. Insgesamt eine interessante Auswahl, rostiger, löchriger, klappernder Gestelle mit Rädern, mit und ohne Sattel usw. Das machte uns schon ein wenig besorgt, aber wir suchten uns zwei heraus, die uns gefielen. Diese wurden dann zur Werkstatt transportiert und dann ging es los: Luft aufpumpen, Lenker gradestellen, Kette auswechseln, Gelenke ölen, Licht dranmachen (war im Preis inklusive!), Speichen prüfen usw. Der ganze Spaß sollte 180.000 tansaniche Schilling kosten, Reperaturkosten natürlich exklusive, dafür mussten wir dann noch einmal 10.000 draufzahlen. Ganz tansanisch dauerten die Reperaturen natürlich ewig und wir wollten zum Fußball (→ Fußball, der), aber seltsamerweise überträgt sich das Lebensgefühl Afrikas fast automatisch auf uns und so harrten wir geduldig (→ Geduld, die) und entspannt aus, bis die Räder fertig waren und sie – juchee – endlich in Empfang nehmen konnten. Ein schönes Gefühl, an allen Leuten vorbeisausen zu können. Im Vergleich mit Deutschland entsprechen die Räder etwa den alten Flohmarkträdern, die man schonmal hier und da sieht.
Tommy hat direkt eine ganz besondere Liebesbeziehung zu seinem Rad entwickelt (mal sehen, wann er ihm einen Namen gibt). Obwohl er vorgefahren war, holte ich ihn nach zwei Minuten Fahrt wieder ein, der Schlauch seines Hinterrades hatte die Last seines Hintermanns auf dem Gepäckträger nicht tragen können oder wollen und war geplatzt. Also hieß es umdrehen und einen neuen holen, natürlich nicht, ohne die anfallenden Kosten zu bezahlen (das Wort „Garantie“ dürfte es im Wortschatz des Kisuaheli nicht geben und gekauft ist nun einmal gekauft).
Heute, wollten wir dann zur Bibelschule fahren, diesmal fuhr ich vorne, den Hügel zur Stadt hinunter und dachte mir schon, dass wir die Zeit hier unten sicherlich nicht ohne Unfall überstehen werden. Unten angekommen wunderte ich mich darüber, dass Tommy nicht bald nachkam, schob dies aber auf mangelnde Beinmuskulatur seinerseits. Irgendwann gegen Mitte der Schulstunde kam er dann herein, ziemlich staubig und zerkratzt und konnte hinterher von seinem ersten Direktkontakt mit Tansanias Straßen berichten . Dem Fahrrad ist aber glücklicherweise nicht geschehen. Und Tommy (→ Trottel, der) wird sicherlich auch in ein bis zwei Wochen mit Krücken wieder gehen können.
Wir sind jedenfalls wieterhin gespannt was unsere Fahrräder im Zusammenspiel mit den Holperstraßen noch für Überraschenungen für uns bereithalten – wir halten euch auf dem Laufenden.
(Okay, ich geb es zu, das mit den Krücken war ein Scherz. Ausser ein paar Kratzern und einer Schürfwunde hat er alles lebendig überstanden und jammert auch kaum herum, erstaunlicherweise 
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