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Thomas 24/11/09
Fußballspielen ist eine erheiternde Angelegenheit…
solange man selber nicht mitspielen muss. Im Training auf einem Untergrund, welcher sich aus Schotter und Grashügeln zusammensetzt, wird viel gelaufen. Alle Übungen finden im Takt statt, sodass man quasi gezwungen ist, alles mitzumachen, um nicht aufzufallen. Für uns sind diese „Aufwärmübungen“, nach denen ich, Tommy, schon eigentlich aufhören könnte also auch eine koordinatorische Herausforderung. Anschließend spielt man, wenn genügend Spieler zum Training erscheinen (eine feste Anfangszeit gibt es nicht), auf zwei Tore Fußball. Wenn denn zwei Tore (dicke Äste, die annähernd Originalmaße haben) da sind, was leider nicht immer der Fall ist.
Die Spiele in der Kasulu-Liga finden dann immer auf einem Platz statt, welcher sogar eine Wellblechdach-Stehtribüne hat und auf dem das Verhältnis Gras-Staub ein wenig besser ist als auf dem Trainigsplatz. Eigentlich finden die Spiele immer um 16:30 Uhr statt. Es sei denn, die Mannschaft aus Buhurungwe, einem 16 km entlegenen Dorf, kommt mit den Fahrrädern einige Straßen, die der Regen überflutet hat, nicht so schnell entlang. Dann kann es auch schonmal später werden. Oder aufgrund des Starkregens ist man sich nicht sicher, ob gespielt wird und kommt vorsichtshalber mal nur mit der halben Mannschaft, um die andere Hälfte dann noch schnell herbeizutelefonieren. Unterbrechungen gehören dazu. So dauert die Ausführung eines Elfmeters gerne mal eine halbe Stunde, weil der Torwart sich nicht mehr ins Tor stellen will, die Abwehrspieler sich vor den Ball legen und der Schiedsrichter zuerst minutenlang seine Pfeife malträtiert, um schließlich zum Linienrichter zu gehen und abzuwarten, bis die Spieler und Zuschauer die Sache ausdiskutiert haben. Dafür verzichtet der Schiri dann auf eine Halbzeitpause, um nicht in die Dunkelheit zu geraten. Einen Spielabbruch haben wir auch schon miterlebt, nachdem der Platz bedingt durch starken Platzregen nur noch aus Schlamm bestand und das Spiel eher an ein schlechtes Eishockeyspiel erinnerte. Zur Halbzeit hatte der Referee ein Einsehen, bereute seine Entscheidung aber augenblicklich, da die Zuschauer die Hälfte des Eintrittsgeldes wieder zurückverlangten, weil sie ja auch nur 45 Minuten Unterhaltung geboten bekommen hatten. Für unser Team Red Star Kasulu haben wir bisher genau einen Einsatz gehabt, in dem Spiel allerdings auch 4:0 gewonnen. David hat sogar getroffen, allerdings wollte der Schiri das Tor aus unerfindlichen Gründen nicht anerkennen. Wichtig wurde unsere Präsenz allerdings, als ich, mit Verbandsmaterial aus Deutschland ausgestattet, eine klaffende Platzwunde über dem Auge eines Mitspielers mit einem professionellen Turban und Jodsalbe versorgte. Genäht wird sowas nicht. Die Spielkultur erinnert sehr an den englischen Fußball. Schlechte Torhüter und Kick-and-Rush. Weitschusstore gehören zur Tagesordnung, lange Bälle in die Spitze gehören zum taktischen Repertoire jeder Mannschaft.
Noch ein Wort zum Schiedsrichter: Dieser benutzt seine Pfeife immer dann, wenn ein Team einen vielversprechenden Angriff zeigt. Abseits! Wenn in einem Spiel nicht mindestens 20-mal Abseits gepfiffen wird, hat der Mann in schwarz was falsch gemacht. Dagegen gehört das Wort „foul“ nicht zum Wortschatz dieses Mannes. Jegliches noch so überharte Foul ist die Puste für den Pfiff meistens nicht wert. Mal sehen, wie unsere Karriere sich hier noch so entwickelt. Mit meinen neuen, gebrauchten Adidas-Fußballschuhen, die ich für umgerechnet 6,40 Euro auf dem Markt erstanden habe, ist die Motivation auf jeden Fall grenzenlos.
Wie man auf dem Foto erkennen kann, läuft Red Star Kasulu mit England-Trikots auf, allerdings hat man auch noch einen Arsenal- und einen Chelsea-Trikotsatz. Ich bin übrigens ziemlich begeistert, auch wenn ich nicht so gucke! 
(Das Foto findet sich auf dem Blog)
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