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Slawa 3/3/2010
Liebe Leser/innen,
- 11.2. (Do): In der Woche war ich Aufsichtslehrer. Das heißt unter anderem, dass alle Schüler, die aus irgendeinem Grund das Schulgelände verlassen wollen, zu mir kommen müssen, um eine Erlaubnis zu bekommen. Jeden Tag kommen so 2-4 Schüler. An diesem Morgen habe ich vor dem Unterricht hier und da einiges abgesprochen und dann kam Suleimon (Junge) mit einem Freund, weil er selbst nicht genug Englisch kann. Dieser Freund sagte mir dann: „Suleimon möchte eine Erlaubnis haben, um nach Hause zu fahren.“ Wie immer fragte ich nach dem Grund. „Sein Vater ist gestorben und er möchte zur Beerdigung.“ – „Für wie lange?“ – „So eine Woche.“ Natürlich gab ich ihm die Erlaubnis und er fuhr sofort los. In dem Moment, als ich hörte, dass er nun Halbwaise ist, schaute ich in Suleimons Augen und sah, wie traurig, verloren und leer dieser Junge war. Die Anteilnahme der Schulgemeinschaft fand ich schön: Es wurde eine Spende für seine Familie gesammelt, also von allen 500 Schülern und den Lehrern. Wow. Auch eine Form von Sozialsystem.
- 12.2. (Fr): Abends kontrollierte ich, ob die 85 Internatsschüler anwesend waren. Als ich nach Hause gehen wollte, kam Karos (Junge) noch auf mich zu. Er ist in meiner Klasse (10a) und kam erst diese Woche, obwohl schon vier Wochen unterrichtet wurde. Auf jeden Fall fragte er mich, ob ich Zeit hätte ihm in Englisch zu helfen. Innerlich blockte ich zunächst ab, denn es fragten mich schon einige. Dann erzählte er mich seine Geschichte: Er ist Vollwaise und sein Bruder arbeitet, damit er an diese gute Schule kommen kann. Das Schulgeld für das I. Quartal konnte er aufbringen, doch das zweite wird er bestimmt nicht voll aufbringen können. Karos hat auch als einer der ganz wenigen Schüler im Internat kein Moskitonetz. Wir unterhielten uns noch etwas. Später gingen mir viele Gedanken durch den Kopf: Er tut mit leid. Sollte ich ihm nicht Geld geben? Aber ganz realistisch gesehen wird er bis zu den wichtigen, englischen Abschlussprüfungen Okt. 2011 (Klasse 11) nicht extrem besser werden, wenn die Grundlagen dafür fehlen. Andrerseits: Sollte er nicht einmal eine Chance bekommen? Wie viele Chancen habe ich schon bekommen nur weil ich in einem reichen Land lebe?
Hier ist ein ausführlicherer Tagebucheintrag zur Begegnung mit Karos.
Nun meine eigentliche Frage: Was denkst ihr, wie man der Armut WIRKLICH und DAUERHAFT begegnen kann? Natürlich muss man da weit über die reine Arbeit in / mit Kirchen hinaus denken. Habt ihr Ideen, Gedanken, Überlegungen? Ich werde erst alles sammeln (wenn es was zu sammeln geben wird), wenn es Antworten gibt und nichts einfach so weitergeben. Natürlich werde ich die, die mir schreiben, erst fragen, wenn ich es in den Rundbrief an alle stellen möchte.
Eigentlich wollte ich noch ein Foto anhängen, doch habe ich nach längerem Suchen keines gefunden. Wie soll man auch einen abstrakten, vielschichtigen Begriff wie Armut auf ein Foto bringen?
Liebe, nachdenkliche Grüße aus Tansania
Slawa
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