Jochen 3/7/09

Liebe Blogleser,ich glaube ich habe die Brillen-Theorie schon mal in meinem Blog erwähnt, aber heute passt sie wieder. Sie wird in Seminaren über Anthropologie gerne benutzt, um das Thema “Kulturschock / -unterschiede” zu veranschaulichen. Also hier ist sie:

Eines Tages ging ein Bewohner aus dem blauen Land auf eine große Reise. Er trug, wie jeder in seinem Land, eine blau-gefärbte Brille. Sein Reiseziel war das gelbe Land. Gut gelaunt kam er dort an und erlebte alle Dinge durch seine blaue Brille. Nach einiger Zeit, in der er viele Bewohner des gelben Land kennen gelernt hatte und viel Zeit mit ihnen verbrachte, färbte sich seine Brille grün. Er konnte nun die Verhältnisse und das Leben des gelben Landes viel besser verstehen und klarer erkennen. Nach noch längerer Zeit fühlte er sich in das gelbe Land sehr gut integriert und es war ihm fast zu seiner Heimat geworden. Kurz darauf färbte sich seine Brille fast ganz gelb, nur noch ein kleines bisschen blau blieb zurück.
Als er zufällig einmal in seine eigentliche Heimat, das blaue Land, besuchte, war für in alles so ungewohnt, anders und neu. Der aus dem blauen Land stammende und nun Bewohner des gelbes Landes fand sich in seiner alten Heimat nicht mehr zurecht und konnte vieles nicht verstehen. Nach relativ kurzer Zeit begann die gelbe Brille sich allmählich wieder blau zu färben. Und er konnte auch im blauen Land immer wieder besser sehen.

Heute ist mein letzter Tag in Salatiga. Alles ist gepackt, alle liebgewonnenen Freunde sind verabschiedet und mir bleibt noch eine Stunden bis zur Abfahrt nach Semarang zum Flughafen. Die Vorfreude auf die Heimreise und auf das Wiedersehen mit Familie und Freunde ist inzwischen auch schon gewachsen und erfreut mich sehr. Außerdem freue ich mich darauf Deutschland durch meine ziemlich gelb gewordene Brille zu sehen. Leider weiß ich aber auch, dass viele Dinge mir ähnlich schwer fallen werden, wie damals vor einem Jahr, als ich in Salatiga ankam.
Nach einem gut überstandenen Fieber (38,7°C) und einem Tag im Bett - Gott hat ein Wunder getan, nach 20h im Bett war ich wieder top fit! - bereiten mir die Alpträume von Übergepäck gerade die größten Kopfschmerzen.

Ein letztes Mal viele Grüße aus Salatiga und schon mal ein freudiges “Hallo” nach Deutschland!

Jochen

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